2018

2017

Gemeindebrief Nr. 43, S. 5-6

Ökumenisches Lehrgespräch am Reformationstag

Unter dem Titel „Konfessionsverbindende Gespräche“ berichteten des Ehepaar Möhler, Michaela Hross, Pfarrer Lutz und Pfarrer Quast, wo sie in ihrem Leben das Miterleben und das Auseinandersetzen mit der jeweils anderen Konfession als bereichernd erfahren haben.

Ein Ehepaar – zwei Konfessionen. Dem Ehepaar Möhler war es schon bei der Frage ihrer Hochzeit wichtig, ihre konfessionelle Herkunft in den Blick zu nehmen. Darum heirateten sie „ökumenisch“ im katholischen Gottesdienst, den ein evangelischer Pfarrer mitgestaltete. „Unsere verschiedenen Konfessionen haben wir nie als etwas Trennendes empfunden“, erklärten sie. Ihre eigenen Traditionen mussten und wollten sie gar nicht ablegen. Im Alltag heißt das für sie: „1. In der eigenen Kirche beheimatet sein. Jeder engagiert sich in seiner Kirchengemeinde. Und 2. Die andere Kirche kennenlernen und sich vertraut machen.“ So haben sie immer schon Gottesdienste und Veranstaltungen der anderen Kirche gemeinsam besucht und mitgestaltet und Neues – Ökumenisches – mit angestoßen. Für das Ehepaar Möhler fanden auf diese Weise das Feiern der Namenstage, das Gebet beim Entzünden einer Kerze in der Kirche, das tägliche Lesen der Herrnhuter Losungen und das gemeinsame Singen evangelischer Choräle zusammen. Etwas, das beide heute nicht mehr missen wollen.

„In meinem Leben hatte ich immer wieder evangelische und katholische Phasen“, erzählte Michaela Hross. Sie ist sozusagen konfessionell zweisprachig aufgewachsen. Bewusst wurde ihr das allerdings erst im Grundschulalter, als die „anderen“ Kinder zur Erstkommunion eingeladen wurden. Zuvor war die konfessionelle Verschiedenheit in ihrem Elternhaus kein Thema. Man glaubte an den einen Gott der Christenheit und feierte miteinander die Feste des Kirchenjahres. Ganz selbstverständlich ging sie mit ihrer Großmutter zum Rosenkranzgebet, dann zur Kinderkirche der evangelischen Kirche und in den CVJM. „Heute“, sagt sie, „bin ich in beiden Kirchen beheimatet. Die Unterschiede beider Kirchen sind mir bewusst, aber ich schätze sie. Die unterschiedlichen Traditionen und spirituellen Formen sind für mein Leben eine Bereicherung.“

Ökumene gelingt da, wo sich Menschen in Offenheit begegnen, waren sich Pfarrer Lutz und Pfarrer Quast abschließend einig. Pfarrer Lutz ist im Rückblick dankbar für die evangelischen Pfarrer, die in der katholischen Diaspora mit Ideen auf ihn zugekommen sind, wie sie ihre Gemeinsamkeiten leben und nach außen zeigen können. „Eine innere Freiheit zu haben – auch als Pfarrer - und sie sich auch manchmal zu nehmen“, lernte Pfarrer Quast von seinem Amtsbruder. „Da ist Freiheit“, stimmten die beiden Chöre Jesolo und Unisono sogleich auch gemeinsam an. Die Ökumene klang sehr gut an diesem Abend des Reformationstages 2017. 

Pfarrer Stephan Stiegele

2016

Zeitungsartikel (Ankündigung) © Schwäbische Post 30.10.2016 19:48
Ökumenisches Lehrgespräch
Aalen-Wasseralfingen. „Christliche Werte in der Gesellschaft von heute“ lautet das Thema des ökumenischen Lehrgesprächs am Montag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Bismarckstraße 85. Von katholischer Seite spricht Pastoralreferent Michael Fürst, die evangelische Seite vertritt Dr. Alfred Geisel, ehemaliger Landtagspräsident. Die Moderation übernehmen Pfarrer Harald Golla und Pfarrer Uwe Quast.

 

Bericht zum Lehrgespräch von Pfarrer Rainer Schmid (Gemeindebrief Nr. 40 S. 30)

Welchen Wert haben Werte? –Ökumenisches Lehrgespräch am Reformationstag

Die beiden Pfarrer Uwe Quast und Harald Golla moderierten den Abend in großer Eintracht. Auch die beiden Referenten, Dr. Alfred Geisel und Michael Fürst, waren sich – obwohl im Lebensalter weit auseinander – in vielen Dingen doch einig. Beide betonten: Werte brauchen Wurzeln. Der ehemalige Landtagspräsident Dr. Alfred Geisel erläuterte dies am Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Dieses sei ohne christliche Wurzeln nicht denkbar. Ähnlich betonte der etwa 40 Jahre jüngere Pastoralreferent Michael Fürst, dass viele Werte, z.B. die Sonntagsruhe, christliche Wurzeln haben. Ohne diese Wurzeln könne ein Wert nicht lange bestehen. Beide Referenten erkannten auch, dass die Werte sich mit der Zeit wandeln. Herr Dr. Geisel erläuterte: Wenn fünf Prozent der Bevölkerung Muslime seien, dann müsse die Religionsfreiheit auch für sie gelten. Und wenn zwei Menschen des gleichen Geschlechts einander von Herzen zugeneigt seien und in Verantwortung füreinander sorgen würden, dann müsse diese Lebensform heute möglich sein. Pastoralreferent Fürst prangerte die moderne Ich-Zentriertheit an:
Man sagt leicht „sorry“, aber kümmert sich nicht darum, ob die Gegenseite den Fehler wirklich entschuldigt. Diskutiert wurde auch darüber, wie man Werte an die nachfolgende Generation weitergeben könne. Die Antwort war klar: Indem man ein gutes Vorbild sei. In der anschließen- den Diskussion wurde auf die Lebenswirklichkeit hingewiesen: Viele Kinder kommen von der Schule nach Hause und schauen dann fast nur noch in den Fernseher. Die Wirtschaft macht Werbung für Barbie-Puppen und andere Konsumgüter. Hier waren sich alle einig: Man kann die heutige Welt von Kindern nicht fern halten. Aber man kann mit den Kindern zum Beispiel ein Tischgebet und ein Abendgebet sprechen.

2015

Thema:

Gibt es einen gerechten Krieg?!

Wann:

Reformationstag,

Samstag, 31.10.2015, 19.30 Uhr

Referenten:

von katholischer Seite:

Josef Baumann, Religionslehrer an berufl. Schule/Friedensforum Ellwangen


für die evangelische Seite spricht:

Roderich Kiesewetter (MdB), Berlin

Moderation:

Pfarrer Harald Golla &

Pfarrerin Florentine Arshadi

Wo:

Ev. Gemeindehaus Wasseralfingen, Bismarckstr. 85 (Großer Saal)


2014

 „Hier stehe ich und kann nicht anders“, soll Luther (der Legende nach) seiner Ablehnung des Widerrufs vor dem Wormser Reichstag hinzugefügt haben. Auch wenn dieser Ausruf nicht verbürgt ist, ist er doch zum geflügelten Wort geworden für ein Verhalten, das von Standhaftigkeit und Gottvertrauen geprägt ist.
Wie steht es mit unseren Politikern, den Politikern, die sich dem christlichen Glauben verpflichtet wissen, weisen sie diese Standhaftigkeit auf oder gehen christliche Glaubenssätze im politischen Alltag über Bord? Dieser Frage stellte sich das traditionelle ökumenische Lehrgespräch. Selten war diese Veranstaltung so gut besucht – ein Zeichen dafür, dass Motivation und Handeln in der Politik von herausragendem öffentlichen, auch ökumenischen Interesse sind.

 „Reformation und Politik“ lautet auch das EKD-Thema dieses Jahres der Luther-Dekade. Darauf verwies Pfarrerin Ursula Richter in ihrer Begrüßung. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass die Politik Christen brauche, und führte als bekanntestes Beispiel den Bundespräsidenten Joachim Gauck an, der seinen christlichen Glauben zur Maxime seines Handelns macht, ganz nach Luthers Auffassung, dass der Mensch in seinem Beruf als Christ lebe. Dieser Auffassung schloss sich auch Pfarrer Harald Golla von der katholischen Kirche an, der die Stellung des Politikers in der Öffentlichkeit als Herausforderung und Verpflichtung hervorhob.

In guter ökumenischer Tradition waren Referenten beider Konfessionen eingeladen worden. Pfarrerin Richter und Pfarrer Golla begrüßten für die evangelische Seite den  Oberbürgermeister der Stadt Aalen, Thilo Rentschler, und für die katholische Seite Betriebsseelsorger Dr. Rolf Siedler. Auch letzterer bringt genügend politische Erfahrung mit als langjähriger Stadtrat der Grünen, als Mitglied des Kreistages und zuletzt als OB-Kandidat in der direkten Auseinandersetzung mit dem Ko-Referenten. War also eine Fortsetzung des „Wahlkampfes“ zweier Politiker zu erwarten? Mitnichten! Schnell zeigte sich, dass beide Referenten dem christlichen Handeln in der Politik einen hohen Stellenwert beimessen.

Beide stammen aus einem christlich geprägten Elternhaus und hatten frühzeitig über die Jugendarbeit Kontakt zu kirchlichen Kreisen. Beide führte der berufliche Werdegang zu Institutionen der Kirche. Thilo Rentschler war lange Vorsitzender in der Diakonie; Dr. Rolf Siedler studierte Theologie und arbeitet seit 20 Jahren als Betriebsseelsorger.

Thilo Rentschler stellte seinen Ausführungen Vers 21 aus dem 12. Kapitel des Römerbriefes voran: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“  Er plädierte für die Umsetzung christlicher Werte in der Politik, verwies auf das Grundgesetz, das nicht zuletzt die 10 Gebote zur Grundlage hat und sah in der aktiven Rolle der evangelischen Kirche in der DDR, die entscheidend zum Mauerfall beigetragen hatte, ein gutes Beispiel dafür, was engagiertes christliches Handeln zu leisten vermag. So wie das Handeln der Pfarrer/innen eine menschliche Dimension hat, so müsse hat dies auch für das Handeln der Politiker/innen gelten.

Als Theologe fühlte sich Dr. Rolf Siedler von der Begegnung mit der Befreiungstheologie in Südamerika inspiriert und politisiert. Sein weiteres Wirken als Seelsorger und Politiker stellte er unter den zentralen Begriff der Gerechtigkeit.  Er sieht sich als Anwalt der Menschlichkeit, als Anwalt der Zukunft und der Hoffnung und ist ein Verfechter klarer christlicher Werteorientierung. Eine ganz konkrete Verwirklichung christlichen Handelns sieht er zum Beispiel in der Vesperkirche, einer Institution, die auch der Förderung durch die Politik bedarf. Siedler mahnt die Mediengesellschaft den Gebrauch der Sprache stets auf ihren Missbrauch hin zu überprüfen. Er fordert Generationengerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung. Der Dominanz der ökonomischen Werte stellt er den Wert „Mensch“ gegenüber. Der christlich handelnde Politiker soll „Stachel im Fleisch“ sein, soll gängige politische Routine immer wieder in Frage stellen und durchbrechen.

Beifall war beiden Referenten gewiss. Kritische Nachfragen gab es kaum. Pfarrer Harald Golla forderte mit seinem Verweis auf den „verkaufsoffenen Sonntag“ OB Rentschler heraus. Diese Einrichtung ist und bleibt den Kirchen ein Dorn im Auge – Politik und Wirtschaft dagegen sehen in ihr ein Mittel, die Attraktivität der Kommunen zu erhöhen und die Umsätze zu steigern. In seiner Entgegnung blieb Rentschler eher vage und es war zu spüren, dass die Umsetzung christlicher Werte im politischen Alltagsgeschäft immer eine Herausforderung bleibt. Allen Schwierigkeiten zum Trotz äußerten die Politikvertreter in ihrer Antwort auf die Schlussfrage von Pfarrerin Richter, was sie sich denn von der Kirche wünschten, die Hoffnung, die Kirche möge mit „Penetranz“ (Rentschler) und „kritischem Blick“ (Siedler) Einfluss nehmen und im Dialog bleiben. Oder –wie Siedler es an anderer Stelle bereits gesagt hatte – die Aufgabe der Kirche ist die Reformation der Welt!

Was für ein gelungenes Fazit für eine ökumenische Veranstaltung am Reformationstag!

Sabine Stegmaier