
In der Martinskirche am Donnerstag haben die Gäste aus Ghana den Gottesdienst mitgestaltet. (Foto: opo)
„Unsere Mission ist Frieden“
Acht Gäste aus Ghana besuchen derzeit den Kirchenbezirk Aalen
Seit langer Zeit pflegt der evangelische Kirchenbezirk Aalen Kontakt und mit dem Partnerbezirk Akyem Abuakwa Presbytery in Ghana. Vor 13 Jahren wurde die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet und in regelmäßigen Abständen besuchen sich die Kirchenbezirke einander. In diesem Jahr steht vom 2. bis 25. Juni der Workshop „Peacemakers – Our Mission is Peace! Friede ist unser Auftrag“ an.
Aalen. Kinsley aus Ghana betrachtet die vielen bunten Plakate, die an der Tür des evangelischen Gemeindehauses in Wasseralfingen angebracht sind und Veranstaltungen anpreisen. „Was steht da?“, will er wissen. Im anschließenden Erfahrungsaustausch zwischen den anderen sieben Gästen und dem Pfarrerehepaar Heike Ehmer-Stolch und Jochen Stolch beklagt er dies. „Überall steht alles in Deutsch geschrieben – egal wo und was“, fällt ihm bei seinem Besuch auf. „Ich muss immer fragen und wenn derjenige, den ich frage kein Englisch spricht,…“, zuckt er mit den Schultern. Sehr beeindruckt hingegen sind die Gäste von ihrem Besuch in der Hürbener Charlottenhöhle. Selbst wenn es in Ghana Höhlen geben sollte, es gebe keine in die so tief hineingegangen werden könne, meinen sie.
Drei gestaltete sehr gut angenommene Gottesdienste waren mit ein Inhalt des Workshops, vergangenen Montag in Abtsgmünd, Dienstag in Unterrombach und am Donnerstag in der Martinskirche in Aalen. Die acht Gäste, vier Männer, vier Frauen, aus Ghana sind überwiegend Lehrer, auch ein Streitschlichter ist dabei. Sie alle kennen das Problem, wenn Konflikte entstehen und bearbeitet werden müssen, was zentrales Thema des Peacemakers-Workshops ist.
Während des Aufenthalts stehen Ausflüge mit auf dem Programm der Begegnung. Fahrten nach Bartholomä, zum Mercedes-Benz-Museum nach Stuttgart, in den Tiefen Stollen, an den Bodensee – sprich in Stadt und Land verschlägt es die ghanaischen Gäste und zu Orten, die Eindrücke hinterlassen.
In Ghana etwa, so wird erzählt, verdichte sich alles in der Stadt. Die Menschen kommen vom Land und fahren in die Stadt, um zu arbeiten. Im Gegensatz zu uns, gebe es keine Industrie auf dem Land. Apropos Fahren: Beeindruckt sind die Gäste von der Disziplin auf deutschen Straßen. Hier werde schön gewartet bis die Straße überquert werden kann. Auch der Autofahrer harre wartend aus, sollte ein Fußgänger die Straße noch nicht vollkommen passiert haben. In Ghana sei beim Überqueren der Straße angesagt: „Jump and run– Springe und renne“. Dass hier kaum einer seine Hupe am Auto benutze, beeindrucke ebenso. Sollte in Ghana ein Unfall passieren, sei die Hilfe so weit entfernt wie der Weg von hier nach Stuttgart. „Wenn dir keiner hilft, bist du in Schwierigkeiten“, wird die gegenseitige Abhängigkeit im Notfall beschrieben.
Für uns ein Alltagsbild, für die Gäste auffallend: viele rauchende Menschen, vor allem Frauen. Rauchende Frauen seien in Ghana recht selten. Noch etwas Einschneidendes ist in Konstanz aufgefallen. So viele Kathedralen und Basiliken und so viele aktive, vor Elan sprühende Menschen haben die Gäste gesehen. Es fällt die Frage: „Warum gehen so wenige Menschen in die Kirche, wenn sie doch so aktiv sind?“ „Die Menschen haben zu viele Möglichkeiten“, erklärt Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch. „Die meisten besuchen nur bei besonderen Festen das Gotteshaus, die wenigsten kommen regelmäßig“.
Sandra Fischer © Schwäbische Post 20.06.2009
Ghanaer zu Besuch
Seit 13 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenbezirk Aalen und dem Partnerbezirk Akyem Abuakwa in Ghana. Dieser Tage sind vier Männer und vier Frauen zu Gast in Aalen. Am Dienstag haben sie gemeinsam mit Dekan Albrecht Daiss und Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch im Aalener Rathaus mit Oberbürgermeister Martin Gerlach gesprochen. Das Stadtoberhaupt hat sich viel Zeit für die weit gereisten Besucher genommen. Auf Englisch wurden die verschiedensten Themen diskutiert, etwa über die aktuelle Politik, die Umwelt und was an Deutschland so anders ist als an Ghana. Gerlach informierte die afrikanische Delegation über Aalen selbst. Die dreieinhalb Wochen in der Region stehen unter dem Motto „Peacemakers – Our Mission is Peace!“. Dazu zählen ein Workshop und eine Tour durch die Kirchengemeinden. (Foto/Text: BW)